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Doc Morris - Gut! - Bet-and-win - Schlecht!
Über die Zwickmühle, in der Journalisten manchmal stecken

Klaus Wallmann sen. || Datum: 10.08.2006

Doc Morris - Gut! - Bet-and-win - Schlecht!
Über die Zwickmühle, in der Journalisten manchmal stecken

Nach Ansicht von FP-Journalistin Ramona Nagel hat das Landgericht Saarbrücken gestern ein "verbraucherfreundliches Urteil" gefällt, als es der Kapitalgesellschaft Doc Morris den Weiterbetrieb einer Filiale genehmigte. Ob sie vor dem Schreiben dieser Einschätzung nachgedacht hat oder einfach nur dem Präsidenten der Gesellschaft für Versicherte und Patienten nachplapperte ("Die Verbraucher profitieren davon."), das kann ich nicht beurteilen.

Nicht nur die "Freie Presse", auch alle anderen bürgerlichen Medien kolportierten gestern diese opportunistische Ansicht. Sicher wird der Medikamenten-Einkauf für Patienten ersteinmal weniger Geld kosten, schließlich will Doc Morris Fuß fassen und einen mehr oder weniger großen Teil der Apotheken-Kunden an sich ziehen. Der als "Wettbewerb" umschriebene Konkurrenzkampf wird aber auch einem mehr oder weniger großen Teil von mittelständischen Apothekern die Existenz kosten, und spätestens wenn die Kapitalgesellschaft Doc Morris den "Markt" mehr oder weniger beherrscht und die Konkurrenten nicht mehr mit Dumpingangeboten bekämpfen muß, spätestens dann wird es auch mit der "Verbraucherfreundlichkeit" zuende sein. Dann kann sie die Preise diktieren, und von 30 Prozent "Ersparnis" werden wir alle nur noch träumen können.

Auch die "Argumentation", daß die Krankenkassen dadurch Milliarden Euro "einsparen", sollte man unter diesem Aspekt betrachten. Hinzu kommt die Frage, was mit dem "eingesparten" Geld geschieht? Wenn damit wie bisher verfahren wird, ist nicht damit zu rechnen, daß es den Versicherten und Patienten zugute kommt, sondern denen, die sich im und am Gesundheitswesen bereichern.

Zum Thema "Wettbewerb" - sprich: Konkurrenzkampf - von dem angeblich die Verbraucher "profitieren" liefert Frau Nagels Kollege Bretschneider heute gleich noch ein weiteres Schaustück. Während die mittelständischen Apotheker dem "Wettbewerb" ruhig ausgesetzt werden können (bei großer Gefahr ihres Untergangs), sichert der Freistaat Sachsen seine Monopolstellung im Wettgeschäft, indem er dem privaten Konkurrenten Bet-and-win offenbar die Lizenz entziehen will. Auch dies angeblich im Interesse der Bürger.

Wie das Leben so spielt, fanden beide Ereignisse am gleichen Tag statt, den beiden "Qualitätsjournalisten" blieb also garnichts anderes übrig, als darüber zu berichten. Der schizophrene Charakter beim Umgang mit dem "Wettbewerb" ergibt sich einfach daraus, daß beide eine Ideologie verbreiten helfen, die die wahren Ursachen nicht nennen kann. In beiden Fällen geht es um Milliarden Euro für eine kleine Klasse von Profiteuren - nicht um die Bürger.

Klaus Wallmann sen.

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