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Widerstand gegen Nazi-Aufmarsch in Dresden
Was sie "Freie Presse" nicht berichtet

Klaus Wallmann sen. || Datum: 09.08.2006

Widerstand gegen Nazi-Aufmarsch in Dresden
Was sie "Freie Presse" nicht berichtet

Die FP berichtete am 07.08. zwar über die "schaurigen Szenen" beim "Pressefest der Deutschen Stimme", eine Großveranstaltung der faschistischen NPD im ländlichen Dresdner Stadtteil Pappritz, zu dem Busse Neofaschisten aus ganz Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern herankarrten, doch eine Äußerung zum eigentlichen Skandal - die Genehmigung dieses Nazi-Aufmarsches durch die Stadtverwaltung - fand ich ebensowenig, wie eine Berichterstattung über die antifaschistischen Proteste. So setzt man Prioritäten.

Viele Bewohner von Pappritz hängten Protestplakate an ihre Häuser und stellten systematisch alle freien Parkplätze zu. Findige Bauern düngten noch schnell ihre Wiesen und Felder rund um den Veranstaltungsort der Neonazis - schade daß es nicht wärmer war.

In der Innenstand kam es zu einer Protestaktion der vor wenigen Tagen gegründeten Initiative "Dresden gemeinsam und aktiv! Den Nazis keine Chance! Für internationale Solidarität!", die, wenn an Zahl auch klein, dennoch den Gedanken eines breiten Zusammenschlusses auf antifaschistischer Grundlage gut vermittelte. Das bewies die spontane Unterstützung von Einwohnern aus dem bayerischen Wunsiedel, die über ihren jahrelangen Kampf gegen Naziaufmärsche berichteten.

Auch autonome antifaschistische Kräfte organisierten eine Demo, deren ca. 500 Teilnehmer von Polizei und Ordnungsamt regelrecht drangsaliert wurden. Leibesvisitationen vor Zulassung zur Demo - das war nicht nur der Gipfel der Provokation, das schreckte verständlicherweise auch viele potentielle Demonstranten ab. Dennoch reihten sich neben den Vertretern der verschiedenen Parteien und Gewerkschaften auch viele unorganisierte, empörte Menschen in den Protest ein. Antifaschistisch aufklärend sprachen u.a. ein Betriebsrat von Infineon und der Vorsitzende der Dresdner Linkspartei.

Warum die Organisatoren den durchaus umstrittenen Beschluß gefaßt hatten, daß keine Parteiembleme getragen werden dürfen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Linkspartei, WASG, SPD und MLPD ließen es sich denn auch nicht nehmen, zum abschließenden Bürgerfest ihre Fahnen oder Sonnenschirme aufzustellen. Daß es auch hier nur bei etwa 200 Besuchern blieb, war ebenfalls den strömenden Regen geschuldet.

Ob sich FP-Journalist Hubert Kemper nach seinem vorzeitigen Verlassen des "schaurigen Platzes" des Nazi-Aufmarsches den antifaschistischen Demonstranten zugesellte, war seinem Bericht leider nicht zu entnehmen.

Klaus Wallmann sen.

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