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500 Arbeitsplätze bei Infineon Dresden bedroht
Wüstenrot will bis zu 1.750 Arbeitsplätze vernichten
Deilmann-Haniel: Erst Massenentlassungen, jetzt Kündigung der Betriebsrente!

rf news online || Datum: 05.08.2006

500 Arbeitsplätze bei Infineon Dresden bedroht
Wüstenrot will bis zu 1.750 Arbeitsplätze vernichten
Deilmann-Haniel: Erst Massenentlassungen, jetzt Kündigung der Betriebsrente!

Der einzige "Aufschwung" seit dem Antritt ihrer Regierung besteht in der Zahl der von den Kapitalisten bis zum heutigen Tag angekündigten Vernichtung von über 800.000 Arbeitsplätzen - so schrieb ich vorgestern in meinem Leserbrief an die FP, in dem es um die manipulierte Arbeitslosen-Statistik ging. Einen Tag später fand ich auf der Website von rf news online drei Korrespondenzen, die diese Aussage überdeutlich illustrieren.



500 Arbeitsplätze bei Infineon Dresden bedroht

Aus verschiedenen Tageszeitungen erfuhren die Belegschaften von Infineon und des neuen von Infineon abgespaltenen Schwester-Unternehmens Qimonda in Dresden am Dienstag von bislang geheim gehaltenen Vereinbarungen zwischen Konzernmutter und Konzerntochter. Herausgekommen ist die darin enthaltene Klausel über den möglichen Verkauf des "alten" Infineon-Werks oder das Herunterfahren eines Moduls (Chipproduktionshalle) aus einem Hunderte Seiten umfassenden englischsprachigen Börsenprospekt, den Qimonda zum Börsengang in den USA offensichtlich vorlegen musste.

Laut einem Artikel der "Dresdner Neueste Nachrichten" unter der Überschrift "500 Jobs bei Infineon Dresden in Gefahr" heißt es darin unter anderem: "Dieser sieht vor, dass das älteste Dresdner Werk, das 'Modul 1', das noch mit 200 Millimeter großen Siliziumscheiben (Wafern) arbeitet, bis zum September 2007 Qimonda mit Speicherchips beliefert. (...) Was aber passiert, wenn der Speichervertrag in einem reichlichen Jahr ausläuft, ist noch unsicher. (...) Danach gibt es mehrere Optionen: Erstens: Qimonda übernimmt das alte Werk, was aber angesichts von dessen veralteter Technik wenig lukrativ erscheint. Zweitens: Infineon lastet das Modul mit Logik aus. Drittens: Der Vertrag wird verlängert. Oder viertens: Jobs gehen flöten - dies könnte durchaus die Hälfte der über 1100 Arbeiter dort treffen."

Und in der "Süddeutschen Zeitung" war zu lesen: "... Die Gewerkschaft IG Metall warnt bereits seit längerem vor dem Abbau von Stellen in Dresden als Folge der Aufspaltung des Konzerns."

In der Belegschaft gibt es verständlicherweise erhebliche Unruhe. Viele sorgen sich um die Zukunft. Ein Beschwichtigungs-Dementi der Firmenleitung am Dienstag, das darauf hinweist, es sei noch nichts entscheiden und Ruhe sowie akribische Arbeit seien doch der beste Garant für einen sichern Arbeitsplatz, klärte die Fragen der Kolleginnen und Kollegen nicht. Vielmehr drängen sich weitere und neue Fragen auf, z.B. warum die Belegschaft über diesen Vertrag nichts wusste, und was sonst noch alles hinter dem Rücken der Werteschaffenden gegen ihre Interessen vereinbart wurde.

Auch in der Halbleiterbranche bahnen sich große Veränderungen, Zusammenschlüsse und Massenentlassungen an. Die Belegschaften tun gut daran, sich jetzt zusammenzuschließen - konzernweit und über Branchengrenzen hinaus. Das sind wichtige Schritte im Kampf gegen die Vernichtung unserer Jobs. Das sind auch wichtige Schritte in der Vorbereitung auf einen "heißen Herbst". Denn wer verteilte denn über Jahre großzügig Milliarden Euros an solche Konzerne wie Infineon aus unseren Steuergeldern? Und was bleibt uns von unserem vom Staat einkassierten Geld?

Finanzkonzern Wüstenrot will bis zu 1.750 Arbeitsplätze vernichten

Die W&W-Gruppe (Wüstenrot & Württembergische) plant bis 2009 die Vernichtung von 1.750 Arbeitsplätzen der bisher etwa 11.000 Beschäftigten im Konzern, davon allein 800 bis 1.000 in Ludwigsburg bei der Bausparkasse und der Wüstenrot Bank. Bei den Versicherungen sollen 750 Arbeitsplätze gestrichen werden. Bundesweit sollen zehn der 19 Filialen der Bausparkasse zur Kreditbearbeitung geschlossen werden (minus 170 Beschäftigte). Damit steht insgesamt jeder siebte Arbeitsplatz auf der Abschussliste.

Gleichzeitig soll ein großer Teil der bisherigen Beteiligungen an über 140 Gesellschaften abgestoßen werden - sie passen nicht ins "Kerngeschäft". Erklärtes Ziel des Vorstandes ist dabei die Erhöhung der Eigenkapitalrendite von 4,2 Prozent im Jahr 2005 auf 10 Prozent bis 2010. Im Jahr 2005 wurden im Konzern offiziell 98 Millionen Euro Gewinn erzielt und der soll um weitere 190 Millionen gesteigert werden.

Hintergrund dieser Kahlschlagpolitik ist die Verschärfung des Konkurrenzkampfes bei den Bausparkassen und Versicherungen. Die Marktanteile von W&W auf dem Inlandmarkt sanken von 14,5 auf 8 Prozent, während einer der größten Konkurrenten, die Bausparkasse Schwäbisch Hall ihren Marktanteil auf 27 Prozent steigern konnte.

Verkauft werden diese Maßnahmen vom neuen Vorstandsvorsitzenden Alexander Erdland als notwendige "Sanierung" zur "Absicherung der fortbestehenden Arbeitsplätze und für neue Beschäftigung". Von einem "notleidenden" Unternehmen, das "saniert" werden müsste, kann allerdings keine Rede sein. Erst 2005 übernahm W&W die Karlsruher Versicherungsruppe für 130 Millionen. Mit dem Gerede von der "Sanierung" sollen die Kolleginnen und Kollegen nur eingeschüchtert werden, die massive Arbeitsplatzvernichtung kampflos hinzunehmen.

Für die Menschen in Ludwigsburg und der Region hat es große Bedeutung, ob es gelingt, diese Pläne zu verhindern. Nach jahrelangem Abbau von Industriearbeitsplätzen nun weitere fast 1.000 bei dem Unternehmen mit den meisten Beschäftigten in der Stadt. Gefordert ist dabei auch die Zusammenarbeit und gegenseitige Solidarität von Verdi und IG Metall im Kampf um jeden Arbeitsplatz - ob bei Wüstenrot, Valeo oder anderswo.

Deilmann-Haniel: Erst Massenentlassungen, jetzt Kündigung der Betriebsrente!

Nicht genug, dass die zum HDH-Konzern gehörende Bergbaufirma Deilmann-Haniel bis Mitte August erstmals seit Jahrzehnten im Bergbau offene Massenentlassungen von zunächst 337 Beschäftigten durchziehen will. Jetzt kündigte HDH-Chef Jochen Rölfs auch noch die Streichung der so genannten "Deputate", einer faktischen Betriebsrente für Bergleute, an. Dabei sollen alle 11.000 Betriebsrentner, die unter anderem von diesem Geld ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, ihre Ansprüche verlieren. Laut WAZ ("Westdeutsche Allgemeine") geht es dabei um durchschnittlich 700 bis 800 Euro pro Jahr.

Es wäre ein Dammbruch mit Auswirkung auf alle Arbeiter und Angestellten, wenn damit ein Konzern erstmals zugesicherte und hart erarbeitete bzw. erkämpfte Betriebsrenten im Nachhinein streicht.

In einer Extra-Ausgabe des "Vortrieb", der Bergarbeiterzeitung aller Schachtanlagen und weiterer Bergbaubetriebe der DSK, vom 19. Juni hieß es anlässlich der Ankündigung der Massenentlassungen bei Deilmann-Haniel: "Das erste Mal stehen betriebsbedingte Kündigungen im Steinkohlebergbau an. (...) Den Kumpels wurde versprochen: durch die Neuorganisation der RAG wird niemand ins Bergfreie fallen. Alles Lüge! Als im März die HDH-Kumpels kämpfen wollten, da hat der Betriebsrat erklärt, die Verhandlungen dürften nicht gestört werden.

Jetzt steht fest: Deilmann-Haniel will 450 Kumpels entlassen und 330 durch Anpassungsmaßnahmen auf die Straße setzen. Die meisten von ihnen erwartet wohl auch die Kündigung, weil sie nicht freiwillig gehen werden. Es handelt sich zum großen Teil um Kumpels, die zwar das Alter haben (50 und älter), aber nicht genug Knappschaftsjahre. Das heißt konkret, dass sie von 600 bis 800 Euro in Zukunft leben sollen. Der Rest, der noch gnädigerweise Arbeit hat, soll einen Haustarif bekommen, der in der Summe 5000 Euro weniger im Jahr für jeden Kumpel bedeutet."

Und jetzt auch noch die Streichung der Betriebsrente! Weil er gegenüber den Betriebsrentnern vertraglich gebunden ist, will HDH-Chef Rölfs sämtliche Anspruchsberechtigten in Kürze anschreiben, um sie zu einer "Stundung der monatlichen Zahlungen" aufzufordern bzw. zur Annahme einer Abfindung, "die dazu führt, dass künftig auf die Deputate verzichtet wird". Sie sollen nun auch darauf verzichten, um die von Insolvenz bedrohte Firma angeblich zu "retten". Damit wurden jedoch schon alle anderen Maßnahmen zur Vernichtung der Arbeitsplätze und Kürzung der Löhne begründet. Ein Fass ohne Boden!

Tatsächlich zielte die Aufteilung in verschiedene neue Tochterfirmen im Rahmen der Umstrukturierung des HDH-Konzerns von vornherein darauf ab, die Deilmann-Haniel GmbH mit Sitz in Dortmund gezielt in die Insolvenz treiben zu können, um sich auf Kosten der Bergleute schadlos zu halten. Dass dies weiterhin geplant ist - ungeachtet des "Verzichts" der Beschäftigten -, zeigt das Vorhaben, die Dachgesellschaft von "Heitkamp-Deilmann-Haniel" in "Heitkamp Holding" umzubenennen.

Bereits im "Vortrieb"-Extra vom 19.6. wurde gewarnt: "Wenn ein Teil der Bergleute angegriffen wird, dann sind alle betroffen! Wenn der Damm bei HDH gebrochen ist, wird sich dieses Dreckwasser auch über die DSK ergießen!" Das gilt nicht nur für den Übergang zu offenen Massenentlassungen, sondern auch für die jetzt geplante Kündigung der Betriebsrente. Deshalb sind alle Kumpels der DSK herausgefordert, dem einen Strich durch die Rechnung zu machen und den HDH-Kollegen solidarisch zur Seite zu stehen.

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