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Leserbrief an die "Randzone" zum Artikel "Stalin - Lüge und Wahrheit (Teil 3: Die Berlin-Blockade)" und mein Kommentar

Stefan Ewers jun. || Datum: 21.11.2005

Leserbrief an die "Randzone" zum Artikel "Stalin - Lüge und Wahrheit (Teil 3: Die Berlin-Blockade)" und mein Kommentar

"Der Artikel gibt doch offenbar die Meinung von Jemandem wieder, der nicht verwinden kann, dass die Utopie des Kommunismus sich als nicht realisierbar erwiesen hat."

Stalin - Lüge und Wahrheit (Teil 3: Die Berlin-Blockade)

K.W.: Der Leserbrief gibt die Meinung eines Menschen wieder, der immer noch nicht erkannt hat, daß in der DDR, der UdSSR sowie in den anderen "sozialistischen" Ländern weder der Sozialismus und erst recht nicht der Kommunismus geherrscht hat. Der Zerfall dieser Länder ist daher kein Beweis dafür, "dass die Utopie des Kommunismus sich als nicht realisierbar erwiesen hat". Zu "verwinden" habe ich diesbezüglich also nichts.

"Es verwundert schon sehr, wie man als Deutscher im Jahre 15 Jahre nach der Wende noch derart argumentieren kann, es sei denn, man war selbst Teil des DDR Regimes oder sympatisierte damit."

K.W.: Die Darlegung historischer Fakten hat wohl nichts damit zu tun, ob ich nun Deutscher oder Franzose bin. Ansonsten war ich nur soweit "Teil des DDR-Regimes", wie ich heute Teil des BRD-Regimes bin. Wem meine Sympathie gehört, das dürfte nicht erst dieser Artikel deutlich gemacht haben.

"Mit umgekehrten Vorzeichen könnte sich meiner Ansicht nach auch ein Altnazi heute hinstellen und den Überfall auf Polen rechtfertigen. Auch hier wird man nach entsprechender Recherche in den einschlägigen Quellen die benötigten Argumente finden."

K.W.: Ich warte gespannt auf eine entsprechende Rechtfertigung mit Angabe der "einschlägigen Quellen", wobei ich dem Leserbriefschreiber nicht unterstelle, daß er "Altnazi" ist.

"Die Wahrheit war aber doch ganz offenkundig, dass Ihnen die Leute damals weggelaufen sind, weil sie frei sein wollten. Sie wollten eben genau nicht von einer Diktatur in die nächste, nämlich die der Stalinisten/Kommunisten, geraten."

K.W.: Und gerieten in die Diktatur des Kapitals, doch als überzeugter "Demokrat" wird der Leserbriefschreiber diesen Satz nicht verstehen.

"Es wird vermutlich noch ein paar Jahre dauern, aber dann wird man hoffentlich an die Aufarbeitung der bislang sehr verklärten DDR Zeit gehen. Vieles wird uns dann in einem völlig anderen Licht erscheinen."

K.W.: Nun weiß ich nicht, wie der Leserbriefschreiber seine Behauptung von der "sehr verklärte DDR-Zeit" belegen will, ich jedenfalls verkläre sie nicht. Daß es hoffentlich bald zu einer "Aufarbeitung" der wirklichen gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR kommt, dafür plädiere auch ich, doch angesichts des noch immer aktiv betriebenen Antikommunismus in Politik und Medien scheint mir die Aufarbeitung von offizieller Seite sehr unwahrscheinlich. Das "Gespenst des Kommunismus" wird immer noch gebraucht, und wie man an diesem Leserbriefschreiber sieht, zeigt es noch immer Wirkung. Wie sonst läßt es sich erklären, daß man die DDR oder die UdSSR noch immer für kommunistische Staaten hält?

"Die Berliner im den Zonen der Westalliierten wussten damals jedenfalls genau, was ihnen drohte, daher war man dort froh, von den Amerikanern beschützt zu werden.
Was Ihre Gesinnungsgenossen damals getan haben, bestand doch darin, die Menschen in West Berlin einzumauern und solange auszuhungern bis sie Klein beigeben und sich vom Russen dominieren lassen. Wie sich zeigte, hätten Sie darauf aber lange warten können !!"

K.W.: Doppelte Ausrufezeichen machen eine Behauptung nicht wahrer. Was der Leserbriefschreiber hier von sich gibt, ist die offizielle bürgerliche Geschichtsklitterung, die uns nun in einem neuen Kinofilm zum x-ten Mal serviert wird.
Hinweisen möchte ich an dieser Stelle nur auf das Buch "Kein Kampf um Berlin?" von Volker Koop aus dem Bouvier Verlag Bonn. Der Autor ist sicher kein Kommunist, trotzdem kommt er zu folgender Einschätzung:
"Bei der Version der DDR, die anfangs von Transportsperren sprach, später dann von einer 'Selbstblockade' West-Berlins, handelt es sich zwar um ideologisch begründete Propaganda, der allerdings nicht von vornherein und ungeprüft jeder Wahrheitsgehalt abzusprechen ist ... Die Sperrung der direkten Straßen-, Eisenbahn- und Schiffahrtsverbindungen ... rechtfertigt noch nicht den Begriff der Blockade, zumindest nicht in dem Sinn, die Westsektoren Berlins wären 'isoliert' und - abgesehen von den Luftkorridoren - von der Außenwelt abgeschnitten gewesen ... Für die Mehrzahl der West-Berliner bestand ... die Möglichkeit, nicht nur in den Ostsektor, sondern auch ins brandenburgische Umland zu fahren und sich dort zusätzlich mit Lebensmitteln, mit Kohle oder anderen Gütern zu versorgen ..."
Der Autor macht deutlich, daß die jeweiligen Besatzungsmächte und selbst der Berliner Magistrat aus unterschiedlichen Gründen die "Blockade" wie auch die "Gegenblockade" sehr lax handhabten. "Erst Ende Januar 1949 verschärften die westlichen Alliierten die Maßnahmen der von ihnen verhängten Gegenblockade, unter der allerdings Ostdeutsche wie West-Berliner gleichermaßen zu leiden hatten." Dies die Erkenntnisse eines bürgerlichen Historikers, doch in dem neuen Film über die Luftbrücke werden wir diese sicher nicht zu sehen bekommen.

"Diese Art der 'Überzeugung' der 'Massen' von den Vorzügen des Kommunismus hatte dann wohl auch eher mittelalterliche -eben Russische- Züge... Fakt ist : Der Kommunismus hat -Gott sei Dank- endgültig verloren, das können Sie drehen und wenden wie Sie wollen."

K.W.: Der Leserbriefschreiber mag sich drehen und wenden wie er will, er kann damit nicht verbergen, daß er in vielen Dingen - Rußland, Mittelalter, Kommunismus - ein Wissen besitzt, das eher ungeeignet ist, um sich in so eine Diskussion einzulassen. Sprücheklopfen reicht dafür nicht.

"Eine Empfehlug zum Schluss: Gehen Sie mal wieder in die Kirche, dass erleichtert!Denn : Marx ist tot und Jesus lebt !!! Stefan Ewers jun."

K.W.: Vielen Dank für die Empfehlung. Mit der Buchempfehlung hoffe ich mich revanchiert zu haben. Zum Schluß bringt der Leserbriefschreiber noch einen flotten Spruch, dessen zweiten Teil ich nie angezweifelt habe. Was Marx betrifft, so möchte ich nur auf die Umfrage von TNS Infratest hinweisen, nach der weit über die Hälfte der Deutschen den Sozialismus für eine gute Idee halten. Nach diesem durchaus bürgerlichen Umfrage-Institut hat Marx' Kritik am Kapitalismus noch immer Sinn. Und wenn der Leserbriefschreiber wissen möchte, warum das so ist, so empfehle ich ihm das Essay von Albert Einstein: "Warum Sozialismus" aus dem Jahr 1949.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wallmann sen.



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